Anlagebetrug mit Namen echter Unternehmen: So erkennen Sie ihn

Aktualisiert am 7. November 2026 · 6 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Warum das funktioniert
  2. Was wir gefunden haben
  3. Schweiz: Spuhler Capital mit Peter Spuhler selbst
  4. Spanien, Frankreich, Kanada, Singapur und Japan
  5. Lateinamerika: Mercado Libre, YPF und große Bankiers
  6. So prüfen Sie es
  7. Wenn Sie bereits bezahlt haben
  8. Methodik

Das Wichtigste in Kürze: Wenn Sie eine Werbung für eine „Anlageplattform“ sehen, die den Namen eines bekannten Unternehmens trägt, etwa CaixaBank, Temasek oder SoftBank, dann hat das echte Unternehmen damit sehr wahrscheinlich nichts zu tun. Es handelt sich um Identitätsmissbrauch: Die Betrüger leihen sich den Namen und oft auch das Logo einer bekannten Marke, gerade weil Sie ihr bereits vertrauen. Zwischen dem 26. Oktober und dem 4. November 2026 haben wir 13 betrügerische Plattformen erfasst, die den Namen eines echten Unternehmens, einer Marke oder einer Institution verwenden – in 22 Anzeigen aus 8 Ländern.

Warum das funktioniert

Ein Fantasiename wie Zinselturat sagt niemandem etwas, deshalb wechseln die Betrüger ihn alle paar Tage (mehr dazu in Warum Betrugsplattformen ständig ihren Namen wechseln). Ein echter Name bewirkt das Gegenteil: Das Opfer erkennt die Marke, verbindet sie mit jahrelanger guter Erfahrung und wird unvorsichtig. Zeigt die Anzeige dann noch den Firmengründer oder einen Regierungschef, wirkt die Geschichte schlüssig.

Die missbrauchten Unternehmen sind selbst Opfer dieses Betrugs, genauso wie die Menschen, die ihr Geld verlieren. Sie haben diese Produkte nicht aufgelegt, bewerben sie nicht und erhalten auch nicht das eingezahlte Geld.

Was wir gefunden haben

Plattform Missbrauchte echte Marke Land Verwendete Prominente
Spuhler Capital Peter Spuhler Schweiz Karin Keller-Sutter, Peter Spuhler
CaixaRendimiento CaixaBank Spanien Isidro Fainé
NaPoleonX NapoleonX Frankreich Anne-Élisabeth Lemoine, Élise Lucet, Roland Lescure
Mercado Libre Mercado Libre Argentinien Javier Milei, Marcos Galperin
MercadoLibre Invest Mercado Libre Argentinien Luis Caputo
MiArgentina Mi Argentina (Regierungs-App) Argentinien Javier Milei
Argentina LNG YPF Argentinien Carlos Pagni
Aurora NUinvest Nu Kolumbien Abelardo de la Espriella, Juanpis
Nexo IA Nexo Kolumbien Abelardo de la Espriella, David Vélez, Jaime Gilinski, Luis Carlos Sarmiento Angulo, Miguel Gómez Martínez, Ricardo Roa
3G Capital 3G Capital Kolumbien Abelardo de la Espriella, Germán Ávila Plazas, Jaime Gilinski, Luis Carlos Sarmiento Angulo, Ricardo Roa
O’Shares Invest O’Shares Kanada Justin Trudeau, Kevin O’Leary
Temasek Bitfundix Prime Temasek Singapur Chin Yee
SoftBank Invest SoftBank Japan –

In allen Fällen steht das echte Unternehmen bzw. die echte Institution in keiner Verbindung zur Plattform.

Schweiz: Spuhler Capital mit Peter Spuhler selbst

Der deutlichste Fall im deutschsprachigen Raum: Spuhler Capital verwendet den Nachnamen des Unternehmers Peter Spuhler und gleichzeitig sein Bild, dazu Bundesrätin Karin Keller-Sutter – in 4 Anzeigen zwischen dem 27. und dem 30. Oktober. Peter Spuhler hat mit der Plattform nichts zu tun; sein Name und sein Gesicht werden ohne sein Wissen benutzt.

Spanien, Frankreich, Kanada, Singapur und Japan

  • Spanien. CaixaRendimiento imitiert den Namen der CaixaBank und zeigt Isidro Fainé, den Präsidenten der Stiftung „la Caixa“, in 3 Anzeigen zwischen dem 30. Oktober und dem 4. November. Wir fanden 7 Domains, die den Namen nachahmen.
  • Frankreich. NaPoleonX übernimmt, bis auf einen einzigen Großbuchstaben, den Namen von NapoleonX, einem echten Krypto-Unternehmen ohne jede Verbindung zur Plattform.
  • Kanada. O’Shares Invest nutzt den Namen O’Shares zusammen mit dem Bild des Gründers Kevin O’Leary.
  • Singapur. Temasek Bitfundix Prime verwendet den Namen der staatlichen Investmentgesellschaft Temasek, die eine Warnung vor Trading-Plattformen veröffentlicht hat, die sich als Temasek ausgeben (auf Englisch).
  • Japan. SoftBank Invest tritt unter dem Namen SoftBank auf, ganz ohne Prominente in der Anzeige: Die Marke allein genügt.

Lateinamerika: Mercado Libre, YPF und große Bankiers

Auf Argentinien entfallen 4 der 13 Plattformen. Zwei nutzen den Namen des Online-Marktplatzes Mercado Libre: Mercado Libre, mit 3 Anzeigen zwischen dem 26. und dem 29. Oktober, die Präsident Javier Milei und Firmengründer Marcos Galperin zeigen, und MercadoLibre Invest mit Wirtschaftsminister Luis Caputo. MiArgentina übernimmt den Namen von Mi Argentina, der offiziellen App der Regierung, und Argentina LNG den des Flüssiggasprojekts des Ölkonzerns YPF. Das argentinische Faktencheck-Portal Chequeado hat gefälschte YPF-Investments mit KI-Videos von Prominenten dokumentiert, ebenso ein manipuliertes Video mit Regierungssprecher Manuel Adorni und Seiten, die Galperins Bild für eine „Anlageplattform“ missbrauchen (jeweils auf Spanisch). Weder die Regierung noch YPF bieten Anlageplattformen über Anzeigen an.

In Kolumbien baut Aurora NUinvest die Marke Nu der Digitalbank Nubank in ihren Namen ein, Nexo IA die des echten Krypto-Unternehmens Nexo, und 3G Capital kopiert den Namen der echten Investmentfirma 3G Capital. Keines dieser Unternehmen hat etwas mit den Plattformen zu tun. Auffällig ist die Besetzung dieser Anzeigen: die Bankiers Luis Carlos Sarmiento Angulo und Jaime Gilinski, der Nu-Gründer David Vélez, der frühere Ecopetrol-Präsident Ricardo Roa und der Präsident Kolumbiens, Abelardo de la Espriella. Keiner von ihnen wirbt für diese Plattformen.

So prüfen Sie es

  1. Tippen Sie die Adresse der offiziellen Website selbst ein. Klicken Sie nicht auf die Anzeige oder einen zugeschickten Link, sondern geben Sie die Adresse des Unternehmens im Browser ein oder öffnen Sie seine offizielle App. Steht das „neue Anlageprodukt“ dort nicht, existiert es nicht.
  2. Schauen Sie sich die Adresse genau an. Betrüger registrieren Domains, die dem echten Namen ähneln, mit einem zusätzlichen Buchstaben oder einem angehängten Wort (invest, capital, pro).
  3. Prüfen Sie das Unternehmen im Register der Aufsicht: BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz. Wie das geht, erklären wir in So prüfen Sie, ob ein Broker zugelassen ist. Eine bekannte Marke ist keine Zulassung.
  4. Misstrauen Sie einer Marke, die gar nicht in dieser Branche tätig ist. Ein Online-Marktplatz wie Mercado Libre, ein Ölkonzern wie YPF oder ein Konzern wie SoftBank verkauft keine Trading-Plattformen über Anzeigen mit Prominenten.
  5. Wenn ein Prominenter Renditen verspricht, ist es Betrug. Mehr dazu in Anlagebetrug mit Prominenten.

Wenn Sie bereits bezahlt haben

Überweisen Sie kein weiteres Geld, auch nicht als „Gebühr“ für die Auszahlung angeblicher Gewinne, und installieren Sie keine Fernwartungssoftware. Sichern Sie Screenshots der Anzeige, der Website und Ihrer Zahlungen und folgen Sie so schnell wie möglich unserem Ratgeber für Betrugsopfer. Sie können auch das missbrauchte Unternehmen über seine offiziellen Kanäle informieren: Das hilft ihm, die Anzeigen entfernen zu lassen.

Methodik

Wir haben die Plattformen ausgewertet, die unser Team zwischen dem 26. Oktober und dem 4. November 2026 in Anzeigen erfasst hat, und diejenigen ausgewählt, deren Name den eines echten Unternehmens, einer Marke, einer Institution oder einer Person verwendet. Für jede nennen wir die Zahl der Anzeigen, die Daten, die gezeigten Prominenten und die Domains, die ihren Namen nachahmen und die wir über Suchen und die Überwachung von Zertifikaten gefunden haben. Alle Zahlen sind Mindestwerte. Die Nennung eines echten Unternehmens in diesem Artikel bedeutet, dass sein Name missbraucht wurde – nicht, dass es mit der Plattform in Verbindung steht.

Wöchentliche Zusammenfassung der betrügerischen Anlageplattformen, die wir in Anzeigen in sozialen Netzwerken entdecken.Zum Bericht dieser Woche →

Schon registriert oder bezahlt?

  1. Zahlen Sie nichts mehr, auch wenn „Steuern“ oder „Gebühren“ für die Auszahlung verlangt werden.
  2. Rufen Sie noch heute Ihre Bank an: Karte sperren und eine Rückbuchung (Chargeback) oder einen Überweisungsrückruf beantragen. Je früher, desto besser.
  3. Installieren Sie nichts, was verlangt wird (AnyDesk, TeamViewer…). Falls doch, deinstallieren Sie es und ändern Sie Ihre Passwörter.
  4. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und informieren Sie die Aufsichtsbehörde. Bewahren Sie Screenshots, E-Mails und Telefonnummern auf.
  5. Vorsicht vor „Geld-zurück“-Firmen, die Ihnen gegen Vorauszahlung die Rückholung versprechen: Fast immer ist das ein zweiter Betrug.

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Ratgeber zu Anlagebetrug