Anlagebetrug mit Prominenten: So funktioniert die Masche und so erkennen Sie sie
Wenn Sie auf Facebook, Instagram oder YouTube eine Anzeige gesehen haben, in der ein bekannter Moderator, ein Unternehmer oder sogar ein Minister eine Plattform zum Reichwerden „enthüllt“, handelt es sich mit großer Sicherheit um Betrug. Es ist eine der verbreitetsten Betrugsmaschen in Europa, und jede Woche entdecken wir Dutzende neue Plattformen, die sie nutzen.
So funktioniert es, Schritt für Schritt
1. Die Anzeige. Alles beginnt mit einer Anzeige in sozialen Netzwerken, die einen Prominenten aus Ihrem Land und eine reißerische Schlagzeile zeigt: ein angebliches Interview, ein „Eklat“ in einer Live-Sendung oder eine Eilmeldung. Immer häufiger sind es mit künstlicher Intelligenz manipulierte Videos (Deepfakes).
2. Der gefälschte Artikel. Ein Klick führt auf eine Seite, die eine bekannte Zeitung imitiert. Sie erzählt eine erfundene Geschichte: Der Prominente habe ein „automatisches System“ enthüllt, das mit Kryptowährungen oder Aktien Geld verdient – und die Banken wollten es verheimlichen.
3. Das Formular. Am Ende des Artikels steht ein Formular für Name, E-Mail und Telefonnummer, meist mit einer „Mindesteinzahlung“ von etwa 250 €.
4. Der Anruf. Wenige Stunden später ruft ein „Finanzberater“ an. Dahinter steckt ein professionelles Callcenter: Es führt Sie durch die erste Einzahlung und bittet oft, Software wie AnyDesk zu installieren, „um Ihnen zu helfen“.
5. Der Broker. Das Geld landet bei einem Broker ohne Lizenz. Sie sehen ein Dashboard mit spektakulären Gewinnen – doch die Zahlen sind erfunden.
6. Die letzte Falle. Wenn Sie auszahlen wollen, tauchen plötzlich „Steuern“, „Gebühren“ oder „Verifizierungseinzahlungen“ auf. Jede Zahlung führt zur nächsten. Sie bekommen nichts zurück.
Warum Prominente
Weil es funktioniert. Ein bekanntes Gesicht schafft sofort Vertrauen, und das Format „Zeitungsartikel“ lässt es wie Information statt Werbung wirken. Die Betrüger passen den Prominenten an jedes Land an: in der Schweiz Unternehmer und Wirtschaftsjournalisten, in anderen Ländern Moderatoren oder Politiker.
Kein Prominenter wirbt in solchen Anzeigen für Anlageplattformen. Die Personen, die wir in diesen Anzeigen gesehen haben, finden Sie in unserer Liste missbrauchter Prominenter.
Warnsignale
- Ein Prominenter empfiehlt eine Anlageplattform in einer Anzeige oder einem „Artikel“.
- Es werden schnelle, garantierte oder „automatische“ Gewinne versprochen.
- Der Name klingt technisch: „AI“, „Quantum“, „Bot“, „GPT“, „Trader“.
- Es wird eine kleine Ersteinzahlung (etwa 250 €) verlangt, „um anzufangen“.
- Sie erhalten hartnäckige Anrufe von ausländischen Nummern.
- Sie sollen Fernwartungssoftware installieren.
- Die Plattform ist nicht im Register der BaFin, der FINMA oder der Aufsicht Ihres Landes zu finden.
So prüfen Sie eine Plattform
- Suchen Sie den Namen bei InvestRedFlags über die Suche auf der Startseite. Wenn sie dort steht, registrieren Sie sich nicht.
- Prüfen Sie das Register Ihrer Finanzaufsicht. Kein Unternehmen darf ohne Zulassung legal Geldanlagen anbieten.
- Misstrauen Sie positiven Bewertungen. Betrüger veröffentlichen gefälschte Bewertungen und Seiten, die die Plattform als seriös darstellen.
Wenn Sie sich bereits registriert oder bezahlt haben
Handeln Sie schnell: Rufen Sie Ihre Bank an, zahlen Sie nichts mehr und erstatten Sie Anzeige. Alle Schritte finden Sie in unserem Ratgeber für Betroffene. Und seien Sie misstrauisch gegenüber allen, die anbieten, Ihr Geld zurückzuholen: Das ist fast immer ein zweiter Betrug.